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Tipps & Tricks · Empathie

[von Günter Seipp] Jeder Mensch besitzt Empathie, allerdings in Intensität und Erscheinungsform sehr individuell ausprägt, denn die Empathie besteht aus vier Aspekten. Je nachdem wie stark diese Aspekte der Empathie im Charakter verankert sind, verhalten sich die Personen auch. Der eine kann kein Tier auf der Straße liegen sehen, ohne in Tränen auszubrechen, und der andere hat kein Problem mit Tierenversuchen. Aus diesem Grunde sollten je nach Charakter sehr unterschiedliche Berufe und Lebensziele angestrebt werden, um ein zufriedenes und glückliches Leben zu ermöglichen.

Die vier Aspekte im Einzelnen:

  • Mit der Fantasie-Empathie wird die Fähigkeit, sich in fiktive Situationen einfühlen zu können, bezeichnet. Wie stark können Sie mit den handelnden Personen in einem Buch oder Film mitfühlen? Passiert es Ihnen, dass Sie schweißgebadet aus einem Traum aufwachen und Angst haben wieder einzuschlafen? Eine übermäßig ausgeprägte Fantasie-Empathie ist für kreative Berufe unerläßlich. Künstler, Kreativdirektoren aber auch Architekten sollten über Fantasie und Visionen verfügen. Bei allen Berufen, die auf Ordnung und Genauigkeit beruhen, wie Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer ist eine ausgeprägte Fantasie-Empathie eher hinderlich.

  • Mit der Perspektivenübernahme wird die Fähigkeit bezeichnet, wie gut Sie nachvollziehen können, was andere denken, hoffen oder wünschen. Wenn Sie sich gut in andere einfühlen können, dann können Sie ein sehr guter Verhandlungsführer werden. Mit dieser Fähigkeit sind Sie ein hervorragender Verkäufer und/oder eine prädestinierte Führungskraft. Sie werden in allen Wirtschaftsunternehmen gebraucht, können aber auch als Polizei-Psychologe (Verhandlungsführer bei einer Geiselnahme) Karriere machen.

  • Mit Mitgefühl wird die Fähigkeit bezeichnet, wie sehr Sie mit anderen mitleiden oder sich bei deren Erfolgen mitfreuen können. Mitgefühl ist die Basis der Freundschaft und für transzendente Beziehungen die wichtigste Eigenschaft. Mitgefühl darf allerdings nicht mit Mitleid verwechselt werden. Mitleid löst immer auch einen großen Handlungszwang aus. Personen, die über viel Mitleid verfügen, übernehmen meistens auch für andere Menschen und deren Leben Verantwortung. Diese Menschen handeln aber nicht für andere Menschen, sondern für sich selbst, weil sie ihr Mitleid loswerden wollen. Wer Mitgefühl (positiv wie negativ) besitzt, verspürt manchmal auch einen Handlungszwang, bleibt dabei aber viel kontrollierter. Diese Personen können ihre Gefühle artikulieren ohne pathetisch zu werden. Menschen mit dieser Ausprägung werden in caritativen Berufen dringend gesucht.

  • Persönliche Betroffenheit: Wie emotional reagieren Sie, wenn andere Menschen oder Tiere von einem Schicksalsschlag getroffen werden, bspw. schwer krank werden oder sogar sterben? Je stärker Sie sich persönlich betroffen fühlen, also sich verpflichtet fühlen, die Situation zu verbessern, desto weniger können Sie tatsächlich helfen. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn nur wenn Menschen sich persönlich betroffen fühlen, entwickeln sie auch Lösungsstrategien, aber in der Umsetzung dieser Strategien muss so viel Distanz zum Problem hergestellt werden, dass auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden können. Wer nur weinend Händchen halten will, sollte Geld spenden, damit professionelle Helfer die Situation verbessern können, aber nicht glauben, dass ein persönlicher Einsatz mehr positiven Einfluss hätte. Menschen, die an einem „Helfer-Syndrom“ leiden, spüren meistens eine große persönliche Betroffenheit. Wenn Sie es schaffen, sich von diesen Gefühlen zu distanzieren, können Sie ein sehr guter Krisenhelfer werden. Wenn Sie es nicht schaffen, werden Sie an einer solchen Tätigkeit verzweifeln oder sogar zerbrechen.

Empathie und Karriere

Empathie hat viel mit emotionaler Intelligenz zu tun! Wer sich vorstellen kann, wie sich die Zukunft entwickeln sollte, kann sie in diesem Sinne beeinflussen. Wer die Perspektive seines Gesprächspartners versteht, kann praktisch Gedanken lesen und den Gesprächspartner davon überzeugen, dass „das gemeinsame Ziel“ zu 100% der Perspektive des Gesprächspartners entspricht. Sie können Ihren Gesprächspartner aber auch freundlich damit konfrontieren, dass seine Ziele nicht mit seiner Perspektive übereinstimmen und deshalb entweder die Perspektive oder das Ziel verändert werden sollte. Welche Gesprächstaktik Sie anwenden, hängt natürlich ausschließlich von Ihren rhetorischen Fähigkeiten und Ihren eigenen Zielen ab.

Emotionale Intelligenz ist heute viel wichtiger als Wissen. Vor 50 Jahren war es noch schwierig, an wichtige Informationen zu kommen. Heute werden Sie mit Faktenwissen bombardiert. Das Internet hat 24 Stunden am Tag geöffnet und der „Informations-Overkill“ ist für Sie und alle anderen Gesellschaftsmitglieder die wahre Herausforderung. Wie stellen Sie Ihr Wissen, Ihre Fähigkeiten und Ihre „Gesinnung“ so dar, dass Sie mit Ihren persönlichen Werten überzeugen? Sie müssen für sich als Mensch und Ihre persönlichen Ziele werben, denn sonst gehen Sie in der Flut der Fakten verloren. Dieser zunehmende Konkurrenzdruck bereitet vielen Menschen unangenehme Gefühle. Wenn Sie diese Herausforderung annehmen, werden Sie gewinnen, wenn Sie diesem Konkurrenzdruck ausweichen, werden Sie nur durch Zufall und nur sehr selten gewinnen. Nehmen Sie Ihr Schicksal selbst in die Hand, verlassen Sie sich nicht auf Zufälle.

Da wir leider auch mit viel schlechter Werbung konfrontiert werden, die manchmal sogar bewusst eingesetzt wird, da sie einen hohen Erinnerungswert hat, lehnt eine große Mehrheit der Gesellschaft ab, für sich zu werben, das ist Ihre Chance! Viele Personen möchten, dass die Gesprächspartner sich anstrengen und die inneren Werte selbst erkennen. Eine romantische Vorstellung und die Voraussetzung für eine ideale Welt. Aber jetzt überlegen Sie einmal kritisch, wie oft finden Sie die Zeit, sich so intensiv mit einem Gesprächspartner zu beschäftigen, dass Sie selbst diesem Ideal nahekommen? Wenn Sie mit Ihrer Intelligenz und Ihrem Engagement, mit Ihrer Empathie und Ihren Idealen dieser Forderung nur selten gerecht werden können, wie sollen es dann andere Menschen schaffen? Überfordern Sie die Menschen nicht, machen Sie es Ihren Gesprächspartnern leicht, Ihnen zustimmen zu können.

Empathie sollte ebenso wenig wie Rhetorik oder Psychologie Selbstzweck sein, sondern ein gesellschaftliches oder persönliches Ziel haben. Das gute und zugleich schlechte daran ist, dass Sie mit einem guten Einfühlungsvermögen und einer gebildeten Rhetorik die Menschen von nahezu jeder Idee überzeugen können. Leider gibt es Menschen, deren moralische Werte nicht mit Ihren Werten übereinstimmen und die mit polemischen Parolen für eine Sache werben. Natürlich können Sie jetzt denken, dass solche „unlauteren“ Methoden nicht angewandt werden sollten, aber es ist wie mit der Selbstdarstellung. Wenn Sie moralische Werte einfordern, statt einer moralisch abzulehnenden Haltung kritisch zu widersprechen, machen Sie sich zum Objekt und dadurch leider häufig auch zum Opfer. Wenn Sie gewinnen wollen, müssen Sie aktiv handeln!

Wenn Sie Ihre Empathie und Rhetorik verbessern, werden Sie Karriere machen, denn die meisten Menschen haben verlernt, situationsbezogen und fröhlich auf andere Menschen zu zugehen oder zu reagieren. Wenn Sie eine positive, angenehme Schlagfertigkeit kultivieren, werden Sie zum Mittelpunkt jeder Gesellschaft und können Ihren Erfolg kaum verhindern.

Und so trainieren Sie Ihre Empathie:

Wenn Sie das nächste Gespräch führen, denken Sie nicht daran, was Sie selbst zum Gespräch beitragen können, sondern konzentrieren Sie sich ganz auf das, was Ihr Gesprächspartner sagt. Vielleicht denken Sie jetzt: „Aber das ist doch selbstverständlich!“ Ja, aufmerksam zuzuhören sollte selbstverständlich sein, aber wir haben es verlernt. Als Baby lernt man erst zu hören, bevor man selbst zu sprechen beginnt. In der Schule hört man dem Lehrer zu, damit man etwas Neues lernt und dann wird kontrolliert, ob man aufmerksam zugehört und den Inhalt verstanden hat. So entsteht schon früh in den Kindern der Wunsch selbst zu sprechen, während die anderen still sitzen und zuhören müssen. Zuzuhören scheint eine Pflicht der Machtlosen zu sein. Es entsteht der falsche Eindruck: „Wer Macht besitzt, redet, wer machtlos ist, muss zuhören.“

Und unser Verhältnis zum Hören und Sprechen zu Fragen und Antworten wird heute wesentlich durch Quizshows, wie beispielsweise „Wer wird Millionär“ mit Günther Jauch geprägt. Wenn du die richtigen Antworten weißt, kannst du Millionär werden. Wer will das nicht. So entsteht immer mehr der Eindruck, dass es anscheinend wichtiger ist, gute Antworten zu geben, als richtige Fragen zu stellen.

Viele Menschen glauben außerdem, dass Schweigen und Nachdenken Zeichen von Schwäche sind, weshalb die Menschen gerade unter emotionalem Stress reden wie der berühmte Wasserfall. Da werden Fragen gestellt und die Antwort gleich selbst gegeben. Vor 20 Jahren habe ich meinen Teilnehmern in den Rhetorik-Seminaren noch beigebracht „Rhetorische Fragen“ zu stellen, das hat sich mittlerweile sehr verändert, denn die Zuhörer fühlen sich durch diese Technik bevormundet, wenn sie schlecht benutzt wird. Die „Rhetorische Frage“ ist immer noch ein wichtiges Element für eine Rede, aber Fingerspitzengefühl ist gefragt.
Hören Sie den Menschen aufmerksam zu und stellen Sie anschließend Fragen nach dem Kontext. Wenn Ihnen beispielsweise jemand erzählt, dass er nach München umzieht, fragen Sie ihn; „Aus welchem Grund ziehen Sie nach München um?“ Wenn Sie selbst gerne in einer Großstadt leben möchten, vielleicht sogar in München – weil Sie das pulsierende Nachtleben reizt, werden Sie diese Frage nicht stellen, sondern annehmen, dass Ihr Gesprächspartner die gleichen Motive hat. So beginnen die meisten Missverständnisse. Jeder Mensch fragt nach, wenn er etwas erfährt, was seinen Überzeugungen widerspricht, im vorgenannten Beispiel erfahren Sie, dass jemand nach Marokko in die Wüste auswandern will und schon brennt Ihnen die Frage auf der Zunge: „Warum?“ Wenn Sie jetzt erfahren, dass diese Person sich für sechs Monate eine Auszeit nimmt und sich ganz mit den eigenen Gefühlen, der eigenen Seele beschäftigen will, so versuchen Sie diese Gründe nachzuvollziehen und aus Ihrem Blickwinkel zu betrachten. Können Sie sich vorstellen auch so eine Entscheidung zu treffen und unter welchen Umständen. Gerade wenn Sie sich nicht vorstellen können selbst so zu handeln, Ihnen aber dennoch die Gründe logisch erscheinen, haben Sie erfolgreich die Perspektive übernommen. Mit dieser Fähigkeit wird es Ihnen leicht fallen Menschen von Ihren Ideen zu überzeugen, denn Sie verstehen die Motive weshalb Ihr Gesprächspartner so oder so reagiert und handelt.
Und ein weiterer Vorteil einer guten Empathie ist der, dass Sie viel erfolgreicher flirten und falls Sie dafür keinen Bedarf mehr haben, weil Sie in festen Händen sind, dann werden Sie Ihren Partner mit einer guten Empathie und einer überzeugenden Rhetorik glücklich machen. Sie wissen doch, machen Sie Ihren Partner glücklich, werden Sie es auch!

Falls Sie wenig Übung in der Fragetechnik haben, hier geht es zum Fragetraining.
 

Im Seminar "Rhetorik für die Spitze" lernen Sie nicht nur besser zu formulieren und Gesprächspartner zu überzeugen, Sie steigern auch Ihre Empathie und üben eine angenehme, überzeugende Schlagfertigkeit anzuwenden.
Im Seminar "Verkaufs-Rhetorik" üben Sie selbstverständlich die verschiedenen Gesprächsphasen optimal zu gestalten, Sie üben zu überzeugen, Sie steigern Ihre Empathie und mit einer selbstbewussten Abschlusstechnik krönen Sie Ihre Verhandlungen.
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