Rhetorik - Böse Angriffe abwehren

Böse Angriffe gegen die Rhetorik

Die hier aufgeführte E-Mail-Korrespondenz kam zustande, nachdem ich den Newsletter vom 17.10.2013 versandt hatte. Sie müssen den Newsletter nicht unbedingt lesen, da Herr Prof. Dr. X sehr ausführlich zitiert, aber falls Sie zuerst den Newsletter lesen möchten, hier finden Sie ihn

Der Newsletter wurde an die Ehefrau von Herrn Prof. Dr. X  gesandt und dann kam die doch recht überraschende, merkwürdige, freche, unverschämte Reaktion des Herrn Professors.

 

------------------ 1.E-Mail von Herrn Prof. Dr. X ------------------

Sehr geehrter Herr Seipp,

"Wenn alle Menschen genauso denken würden wie Sie, Frau X, dann hätten allerdings auch alle Menschen den gleichen Beruf, die gleichen Hobbys und wahrscheinlich sogar den gleichen Partner. Was für ein Gedränge." (Seipp)

Was für ein Gedränge? Was für ein Geschwätz! Wie gelingt Ihnen, per Ferndiagnose zu ergründen, was meine Frau denkt? Das gelingt mir nach über fünfzig Jahren engster Verbundenheit nicht…

"Um Ihr Publikum zu überzeugen, müssen Sie nicht Ihr Fachwissen steigern, sondern Ihre Argumente an die Sichtweise Ihrer Gesprächspartner anpassen." (Seipp)

Dieser Satz schrammt haarscharf an jenem vorbei: "Inhaltlich und fachlich müssen Sie keine Ahnung haben. Sie müssen sich nur gut verkaufen können!" Bitte lassen Sie für solche Veranstaltungen das ehrbare Wort 'Rhetorik' weg. Nennen Sie es wahrheitsgemäß 'Seminar für Seelenverkäufer!'

"Wenn Sie es Ihren Zuhörern einfach machen, Ihrer Argumentation zu folgen, können Sie alles erreichen. Alles was Sie wollen, es gibt keine Grenze." ("Rhetorik für die Spitze…") (Seipp)

Sehr geehrter Herr Seipp, fröstelt es Sie nicht selbst bei diesem Satz!? Haben wir in den letzten Jahrhunderten nicht genug 'rhetorische Talente' erlebt, deren ganze Begabung darin bestand, Zuhörern, die nicht gelernt hatten, zuzuhören und Gesprochenes zu analysieren, nach dem Maul zu faseln und die ganze Welt ins Verderben zu schwatzen. Kommen die rhetorischen (!) Hauptqualitäten, nämlich Gesprochenes, Gesehenes, Gehörtes eigenständig und kritisch zu analysieren, in Ihren Seminaren überhaupt vor?

Rhetorik ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne emanzipatorische Perspektive ist Scharlatanerie. Ob daraus Tyrannen hervorgehen oder Staubsaugervertreter ist ausschließlich der historischen Situation geschuldet.

Empfehlung: Versuchen Sie es mal in den USA als Erweckungsprediger oder Berater der tea-party. Dort müssen Sie noch nicht einmal den Anschein erwecken, was Sie sagen habe mit Ratio, Ökonomie und Psychologie zu tun. Sie können dort tief in den Eimer langen und verdienen viel mehr als mit Ihren 'Rhetorik'-Seminaren hier.

 Ach, ich Narr, jetzt muss ich meinem eigenen Scheitern zusehen; denn:

"Unerfahrene Redner versuchen ihr Publikum von den Vorzügen der eigenen Ansichten mit den Argumenten zu überzeugen, die sie selbst überzeugen und das funktioniert manchmal sogar, aber je detaillierter die Darlegung wird, desto weniger Zuhörer können den Ausführungen folgen und die Mehrheit bleibt den eigenen Sichtweisen verbunden und Ihnen gegenüber verschlossen.

Sie steigern Ihre Überzeugungskraft, wenn Sie trainieren Ihre Argumentation an Ihr Publikum anzupassen." (Seipp)

Aber ich will nicht ungerecht sein. In einem meiner nächsten sozialwissenschaftlichen Vorträge, die Sie auch im Internet finden können, werde ich auch Ihre Werbung einer kleinen Analyse unterziehen. Für diese Möglichkeit danke ich Ihnen und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Ihr Prof. Dr. X

Kommentar von Günter Seipp

Der Streit (Eristik) wird in unserer Gesellschaft nicht geschätzt. Ein Streit, in dem es um ein Ringen um die beste Lösung für ein Problem geht, wird trotzdem als unangenehm wahrgenommen. Viele Menschen empfinden einen Streit, noch dazu einen laut ausgetragenen, polemischen Streit als den Untergang des Abendlandes. Die meisten Menschen wurden zu Harmonie und Unterwürfigkeit als höchste Kulturform des Zusammenlebens erzogen. Bloß nicht anecken, kein Aufsehen erregen, nicht im Mittelpunkt stehen. Viele Nepper, Schlepper, Bauernfänger haben sich diese mangelnde Streitkultur in Deutschland zu Nutze gemacht und Fallen - nicht nur im Internet - aufgestellt.

Mächtige Menschen, Menschen, die eine hierarchisch hochstehende Position einnehmen, nutzen diesen Effekt - häufig unbewusst - ebenso aus. Wer mehr politische Macht, gesellschaftliches Ansehen, akademische Würden oder schlicht mehr Geld und ein größeres Haus besitzt, bekommt von vielen Menschen Recht, ohne dass die sachlichen Argumente überprüft werden. Ein geschickter Rhetoriker weiß diesen Effekt für sich zu nutzen! Während der Experte mühsam um die positive Beurteilung seiner Argumente ringt, feuert sein Gegner eine Salve nach der anderen ab und schießt so die mühsam aufgetürmte Burg aus Argumenten zu Brei. Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine sind klassische Repräsentanten dieser unterschiedlichen Stile, mit dem bekannten Ergebnis.

Wie begegnet man einem polemischen Angriff am Besten? Indem Sie zunächst einmal nichts erklären, sondern die angewandte Taktik benennen und den Angreifer animieren, weiter zu schießen oder inne zu halten. Wenn der Angreifer weiter schießt, bekommen Sie die Behauptungen geliefert, mit denen Sie ihn vernichten können, hält er inne, können Sie Frieden schließen. Polemiker sind Fanatiker, die sich von den eigenen Emotionen tragen lassen und dadurch unvorsichtig werden. In einem Streit von Angesicht zu Angesicht wird der Angreifer häufig seinen Fehler erkennen und auf die Bremse treten, in der Anonymität des Internets gelingt dies nur den wenigsten Menschen. Der Gegner ist so schön weit weg.

Es kommt immer wieder einmal vor, dass Sie ungerecht, persönlich oder sogar polemisch angegriffen werden und dann heißt es, geschickt zu reagieren. Mit diesen Vorüberlegungen ist meine erste Antwort entstanden.

Eine "Kommunikationstrainerin" aus Berlin schrieb mir: "Warum haben Sie die erste Mail von dem Prof. nicht einfach weggeworfen?" Weil das keine Lösung für mich ist und auch keine Lösung für irgendeinen Rhetorikprofi oder Rhetoriktrainer sein sollte. So ein Vorschlag kommt mir vor, wie ein Lotse, der aus Angst vor dem Sturm von der Brücke springt. Er kann zwar jetzt nicht mehr mit dem Schiff untergehen, aber wurde er dafür an Bord geholt? Wenn Ihnen ein Streit in einer wichtigen Angelegenheit unangenehm ist, dann streiten Sie nicht, sondern rufen Sie mich an, ich erledige das für Sie und zeige Ihnen, wie Sie elegant aus der Geschichte rauskommen.

Ein anderes Problem liegt darin, dass die Rabulisten immer mehr Macht bekommen, wenn wir ihnen nicht entgegentreten. Der Herr Prof. macht mit seiner Polemik, für die ich keinen Anlass gegeben habe, deutlich, dass er sich streiten will, er will seinem Ärger Luft machen, er will nicht sachlich argumentieren. Aus diesem Grunde wäre es völlig falsch, zu argumentieren oder Erklärungen abzugeben. Jedes Argumente würde sofort als Behauptung abqualifiziert und jede Erklärung würde sofort erneut angegriffen.

Haben Sie schon einmal versucht mit pubertierenden Kindern einen Streit um das nächtliche Nachhause kommen oder die nicht gemachten Hausarbeiten zu versachlichen? In einem emotionalen Streit können Sie nichts erklären, weil bei Ihrem Streitpartner das Gehirn in diesem Moment (und hoffentlich nur in diesem Augenblick) ausgeschaltet ist! Sparen Sie den Atem, verschaffen Sie sich und Ihrem "Gegner" eine Atempause.

--------------------Antwort von Günter Seipp -------------------------

Sehr geehrter Herr Professor X,

was ist das für eine unfaire Dialektik, die Sie da anwenden und vor allem was für eine Selbstoffenbarung. Sie sollten einmal aus Ihrem Elfenbeimturm kommen und sich der Wirklichkeit stellen. Rhetorik wie Cicero sie gelehrt hat, ist heute nicht besonders populär, eher schon die unfaire Dialektik, wie sie Schopenhauer in seinem Traktat „eristische Dialektik“ beschrieben hat. Und Sie beweisen mit Ihrer Anhäufung von bewusst falsch Verstandenem, dass es heute wichtig ist, sich verteidigen zu können. Wir können gerne in einen öffentlichen Disput einsteigen, wenn Sie sich trauen.

Mit herzlichem Gruß
 
Günter Seipp
Erklärung zur 1. Antwort

Ich benenne die angewandten Taktiken "unfaire Dialektik und aus dem Zusammenhang reißen" und zeige meine rhetorische Kompetenz, indem ich auf Cicero und Schopenhauer verweise. Cicero steht für die ausgeschmückte treffende politische Rede, während Schopenhauer sich mit der Argumentation im Streit "per fas et ne fas" (im Recht wie im Unrecht) auseinandergesetzt hat. Cicero wollte seine "Gegner" von der moralischen Überlegenheit seiner Argumente überzeugen, während Schopenhauer diese Betrachtung völlig fremd ist, er will lediglich den Disput gewinnen.

Als Falle habe ich eine Provokation eingebaut. Da der Herr Prof. mich in der Rhetorik für unterlegen hält, kann er jetzt nicht mehr auf die Bremse treten, sondern liefert mir die Argumente, die mir bislang noch fehlten.

---------------- 2.E-Mail von Prof. Dr. X -----------------------

"Wenn Sie es Ihren Zuhörern einfach machen, Ihrer Argumentation zu folgen, können Sie alles erreichen. Alles was Sie wollen, es gibt keine Grenze."

 

 

Sehr geehrter Herr Seipp,

 

 

Danke, dass Sie mir trotz meines scharfen Tones immerhin geantwortet haben. Das empfinde ich nicht als selbstverständlich.

 

 

Zum Inhalt Ihrer Mail:

 

 

Gerne können wir in einen öffentlichen Disput eintreten. Dabei würde ich zu Beginn einfach mal unterscheiden, zwischen dem was Sie und ich unter einem Satz verstehen könnten, und was er logisch bedeutet. Stellen Sie sich der Logik Ihres Satzes … Sie können (nach rhetorischer Schulung durch Seipp…) "alles erreichen… Alles, was Sie wollen, es gibt keine Grenze." Natürlich weiß ich als einer, der seit vierzig Jahren Wissenschafts- und Spracharbeit leistet auf allen Ebenen, besonders als Graswurzelarbeit, dass Bedeutung durch Kontext entsteht. Darum geht es mir gerade: Die Logik eines Satzes ist ein Kontext, der nicht durch schlaumeierische Meinereien aufgehoben werden kann.  

 

 

Sehen Sie denn nicht, dass Sie mit folgenden Aussagen Kontexte schaffen:

 

„vielleicht haben auch Sie schon einmal erlebt, dass es manchmal sehr schwer ist, andere Menschen von den eigenen guten Ideen und Vorstellungen zu überzeugen, dabei liegen die Vorteile - aus Ihrer Sicht - doch so klar auf der Hand. Wenn alle Menschen genauso denken würden wie Sie, Frau X, dann hätten allerdings auch alle Menschen den gleichen Beruf, die gleichen Hobbys und wahrscheinlich sogar den gleichen Partner. Was für ein Gedränge."

 

Um Ihr Publikum zu überzeugen, müssen Sie nicht Ihr Fachwissen steigern, sondern Ihre Argumente an die Sichtweise Ihrer Gesprächspartner anpassen…" 

Man nennt das Bahnhofspädagogik: Die Leute abholen… Die Politiker sagen gerne 'Die Menschen da draußen im Lande mitnehmen'… Da kriegt man als kritischer Leser den Schluckauf. Sehen Sie denn nicht, dass Sie mit solchem Geschwurbel die Intelligenz Ihrer Kunden beleidigen? 

Selbstbewusste und kritische Kunden bekommen Sie damit nicht in Ihre Seminare. Aber das wollen Sie wahrscheinlich auch nicht.  

Was für eine Selbstoffenbahrung, mich in einen Elfenbeinturm stecken zu wollen. Damit machen Sie sich nun wirklich lächerlich. Ist Ihnen entgangen, dass man sich über jemanden sehr gründlich im Internet informieren kann? Ich habe in Afrika (z. B. Somalia, Gambia, Senegal) unter lebensgefährlichen Bedingungen Nomaden und Bauern alphabetisiert – Elfenbeinturm? Auch davor und danach habe ich Graswurzelarbeit gemacht. Und auch jetzt, mit 68 Jahren, spannt sich mein (auch rhetorisches) Spektrum gewaltig. Vom wissenschaftlichen Vortrag vor einem nunmehr allgemeinen (nicht hochschulischen) Publikum bis zu Mundart-Vorträgen inmitten einer tobenden dreitausendköpfigen Menschenmenge. Nur eigene Texte. Ich lege Ihnen mal drei Links bei. 

Bei den Wissenschaftsvorträgen beginnen Sie am Besten mit der ersten Folge.

Ich habe diese Links gelöscht, da ich mir nicht sicher bin, ob Herr Prof. Dr. X sich über die Konsequenzen einer öffentlichen Diskussion bewusst ist, weshalb ich ihn an dieser Stelle noch schützen will. Wenn Herr Prof. Dr. X allerdings meint, dass der Leser dieser Zeilen seinen Gedanken nicht folgen kann, wenn er seine Videos nicht sehen kann, so werde ich die Links nach seiner Aufforderung sofort wieder einbauen.

Als E-Mail-Wechsel möchte ich diese Diskussion nicht fortsetzen. Ich glaube, dazu fehlt uns beiden die Zeit. Als öffentlichen Disput, von dem auch andere etwas haben – gerne.

 

 

Ihr
Prof. Dr. X
Kommentar zur 2. E-Mail

Sehr schön! Er greift genau den Punkt der Rhetorik an, der immer von Technikern und Akademikern angegriffen wird. Ingenieure und Mediziner, Sozialpädagogen und Physiker, Philosophen und Mathematiker denken alle gleich, jeder hält sein Fachgebiet für das Wichtigste und glaubt, dass er dazu berufen ist, die letzten Geheimnisse zu lüften. Nur der Inhalt zählt, die Form ist nichts, deshalb sind viele Vorlesungen an Universitäten leider auch "Schnarchveranstaltungen".
 
Und jetzt tritt Herr Prof. Dr. X das Gaspedal durch das Bodenblech. Er schreibt sich selbst mit seiner arroganten, akademischen Überheblichkeit in Rage. Im ersten Satz - der ein vergiftetes Lob enthält - benutzt er das Wort "immerhin". In diesem Kontext bedeutet "immerhin", ich hätte nicht mit einer Antwort gerechnet und gleichzeitig: "Du hast zwar geschrieben, aber nichts Qualifiziertes vorgetragen!" Stimmt, Herr Professor, ich habe keine Argumente geliefert, die Sie als Munition gegen mich verwenden können.

Weiter schreibt er: "Gerne können wir in einen öffentlichen Disput eintreten." Vielen Dank, dass Sie mich unterschätzen. Im nächsten Satz heißt es: "Dabei würde ich zu Beginn einfach mal unterscheiden", herrlich wie er in seiner Arroganz badet. Mit dem Wort "einfach" gibt er zu erkennen, dass er mich für blöd hält. Er glaubt mir den Zusammenhang zwischen einem Satz und seinem Kontext erklären zu müssen, er hält mich für blöder als einen Abiturienten und genau aus dieser hierarchischen Sicht - hinsichtlich der Intelligenzverteilung zwischen uns - argumentiert er konsequent weiter.

Der nächste Fehler von Herrn Professor liegt darin, dass er seine Position mit seiner persönlichen Erfahrung (40 Jahre Graswurzelarbeit) rechtfertigt. Ich könnte mit Kurt Tucholsky antworten: "Man keine eine Sache auch vierzig Jahre falsch machen", aber das Argument der "Graswurzelarbeit" bietet eine viel größere Trefferfläche, denn er benutzt es, um meinen Angriff "Elfenbeinturm" abzuwehren. Und es folgt erneut ein polemischer Angriff: "schlaumeierische Meinereien".

Herr Prof. Dr. nimmt meine Argumente nicht ernst, er ist so darauf fixiert Recht zu haben, dass er meint, mich wie einen dummen Jungen belehren zu müssen: "Sehen Sie denn nicht, dass Sie mit folgenden Aussagen Kontexte schaffen: " Doch, das sehe ich Herr Professor und genau dieser Kontext ist richtig und ihre Meinung ist falsch.

In den nächsten Absätzen lässt er jede Selbstkontrolle bei Seite und liefert so viel Angriffsfläche, dass er mir fast Leid tut.


"Bahnhofspädagogik", die unfähigen Politiker, Rhetoriktrainer sind alles Seelenverkäufer und wollen die Blöden manipulieren, nur er und seine Meinung haben ehrbare Absichten. Sehr schön überheblich ist auch dieses Statement: "Ist Ihnen entgangen, dass man sich über jemanden sehr gründlich im Internet informieren kann?" Doch Herr Professor, habe ich getan. In welchem Internet haben Sie denn meine Qualifikation überprüft, dass Sie glauben, so viele Fehler machen zu dürfen. Und in wieweit verbessert sich ihre Argumentation, wenn ich von ihrem Aufenthalt in Afrika weiß?

Wie ich gegen diese Rabulistik argumentiere, können Sie links weiter unten lesen.

---------------- 2. Antwort von Günter Seipp --------------------

Sehr geehrter Herr Professor X,

Ihren Ansatz, dass wir in einen öffentlichen Disput einsteigen können, damit auch andere etwas davon haben, stimme ich ausdrücklich zu. Ich habe deshalb unsere bisherige Korrespondenz inklusiver dieser E-Mail auf dieser Seite veröffentlicht.

Da ich Ihre beleidigende Ausdrucksweise, den Duktus Ihrer E-Mails und die dahinterstehende geistige Haltung, als in jeder Hinsicht unangemessen halte, habe ich Sie dort lediglich Prof. Dr. X genannt, da ich mir nicht den Vorwurf einhandeln möchte, dass ich Ihnen schaden will. Aus diesem Grunde habe ich auch die von Ihnen angeführten Links zu Ihren Videos deaktiviert, denn dort erfährt der Zuschauer Ihren Namen.

Falls Sie der Meinung sind, dass ich Ihre Argumentation dadurch nur unzureichend wiedergebe, geben Sie mir bitte eine Nachricht, ich werde dann unverzüglich die Links zu Ihren Videos aktivieren.

Zum Inhalt Ihrer E-Mails:

Sie schreiben in Ihrer 1. Mail:

Sehr geehrter Herr Seipp, fröstelt es Sie nicht selbst bei diesem Satz!? Haben wir in den letzten Jahrhunderten nicht genug 'rhetorische Talente' erlebt, deren ganze Begabung darin bestand, Zuhörern, die nicht gelernt hatten, zuzuhören und Gesprochenes zu analysieren, nach dem Maul zu faseln und die ganze Welt ins Verderben zu schwatzen. Kommen die rhetorischen (!) Hauptqualitäten, nämlich Gesprochenes, Gesehenes, Gehörtes eigenständig und kritisch zu analysieren, in Ihren Seminaren überhaupt vor?

Was Sie meinen ist Textanalyse und hat mit theoretischer Rhetorik zu tun. In erster Linie will die Rhetorik die Zuhörer überzeugen und das geschieht durch die Praxis, durch parteiische Darlegung des Sachverhalts. Alle großen Rhetoriker der Antike haben die Rhetorik so gesehen. Seit wann ist die Rhetorik ein prägendes Element der Aufklärung? Sie wollen über Moral, Ethik und Logos philosophieren. Aber wenn Textanalyse Ihre Spezialität ist, dann erklären Sie mir doch bitte Ihre folgende Textanalyse (Beginn Ihrer ersten Mail):

"Wenn alle Menschen genauso denken würden wie Sie, Frau X, dann hätten allerdings auch alle Menschen den gleichen Beruf, die gleichen Hobbys und wahrscheinlich sogar den gleichen Partner. Was für ein Gedränge." (Seipp)

Was für ein Gedränge? Was für ein Geschwätz! Wie gelingt Ihnen, per Ferndiagnose zu ergründen, was meine Frau denkt? Das gelingt mir nach über fünfzig Jahren engster Verbundenheit nicht…

Mit welchem Wort, mit welchem Kontext habe ich behauptet, dass ich weiß, was Ihre Frau denkt? Das soll wissenschaftliche Textanalyse sein? Dass ist Ihre Selbstoffenbarung. Wenn Sie Ihrer Frau zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben, dann ändern Sie dieses Fehlverhalten, aber fangen Sie keinen Streit mit anderen Menschen an, weil Sie keine Empathie besitzen und Ihre Frau darunter leidet.

Mir zu schreiben, dass meine Einlassungen nur Geschwätz sind, ist unter dem Hintergrund Ihrer falschen Interpretation nicht nur respektlos, sondern zeigt Ihre arrogante, herablassende Grundeinstellung. Halten Sie sich für die Krone der Menschheit, für die Krone der akademischen Evolution? Diese geistige Haltung werfe ich Ihnen als Ihren Elfenbeinturm vor. Apropos, wo sagten Sie doch gleich, an welcher Universität lehren Sie? Sie wollten doch meine Werbung für Rhetorik-Seminare als schlechtes Beispiel in einem Ihrer nächsten sozialwissenschaftlichen Vorträge besprechen.

Beim zweiten Aspekt der eingangs zitierten Textstelle: „und die ganze Welt ins Verderben zu schwatzen.“ handelt es sich ebenfalls um einen moralischen Gesichtspunkt. Die Rhetorik ist ein Werkzeug - wie ein Hammer - und jedes Werkzeug kann missbraucht werden. Hitler und Goebbels konnten das deutsche Volk in den gemeinsamen Genozid quatschen, weil diese Verführer das beschädigte Selbstwertgefühl der Bevölkerung nach dem verlorenem 1.Weltkrieg und die wirtschaftlich Not ausnutzten. Weil sie die neuen Medien (Rundfunk) geschickt für die Propaganda einsetzten und psychologische Elemente wie Gruppenzwang zur Ideologie erhoben. Und da behaupten Sie, dass es für die Rhetorik Grenzen gibt? Die einzige Grenze ist das Gewissen des Redners und vielleicht das rhetorische Wissen der Zuhörer.

In meinen Seminaren lernen die Teilnehmer zu erkennen, woran unlautere Absichten und Lügen erkannt werden und wie man sich gegen Manipulationen und unverschämte Kritik zur Wehr setzt, aber auch, wie man seine Zuhörer von den eigenen guten Ideen überzeugt. Bis jetzt haben Sie bei mir mit Ihren Anfeindungen keine vergnügungssteuerpflichtigen Reaktionen ausgelöst. Liegt das an der mangelnden Qualität Ihrer Ideen oder an Ihrer bösartigen Rhetorik?

Dann schreiben Sie zumindest etwas nicht ganz Verkehrtes, wenngleich auch hier Ihre Schlussfolgerung falsch ist:

"Um Ihr Publikum zu überzeugen, müssen Sie nicht Ihr Fachwissen steigern, sondern Ihre Argumente an die Sichtweise Ihrer Gesprächspartner anpassen." (Seipp)

Dieser Satz schrammt haarscharf an jenem vorbei: "Inhaltlich und fachlich müssen Sie keine Ahnung haben. Sie müssen sich nur gut verkaufen können!" Bitte lassen Sie für solche Veranstaltungen das ehrbare Wort 'Rhetorik' weg. Nennen Sie es wahrheitsgemäß 'Seminar für Seelenverkäufer!'

Rhetorik ist der Teil Ihrer Kommunikation, der beim Publikum ankommt und verstanden wird: Wenn Sie deutsch vor Menschen reden, die nur chinesisch verstehen, dann wird Nichts verstanden, weil die von Ihnen erzeugten Laute keinen Sinn für Ihre Zuhörer ergeben. Wenn Redner und Zuhörer deutsch sprechen, so passt der kluge Redner seine Ausführungen dem Niveau seiner Zuhörer an, damit ihm zunächst einmal überhaupt zugehört wird. Wenn Sie „fachchinesisch reden“, können Sie sich vielleicht mit ein paar anderen „Experten“ unterhalten, aber Sie können kein Auditorium mit 3.000 zahlenden Zuhörern erfolgreich bespaßen. Wenn Ihnen niemand zuhört, dann findet keine Kommunikation statt, dann führen Sie Selbstgespräche. Selbstgespräche sind leider noch kein Bestandteil der Rhetorik.

In meinen Seminaren verwende ich gerne folgendes Bild um die Bedeutung der Rhetorik zu erklären: Wenn Sie sich etwas Bestimmtes sehr stark wünschen und eine liebende Ehefrau schenkt es Ihnen zu Weihnachten, so muss dieses Geschenk nicht großartig eingepackt sein, das Geschenk alleine ist genug. Die Inhaltsaspekte der Kommunikation hinsichtlich dieses Geschenks sind zu Ihrer Zufriedenheit erfüllt und wenn Sie sich so bedanken, wie Ihre Frau es sich vorstellt, sind auch die Beziehungsaspekte die sich Ihre Frau von Weihnachten gewünscht hat, befriedigt.

Jetzt stellen Sie sich vor, dass Ihre Ehefrau, Ihr Geschenk raffiniert verpackt, so dass Sie zuerst denken, dass Sie etwas völlig anderes geschenkt bekommen, und erst beim Öffnen des letzten Stücks Papier erkennen, dass es das von Ihnen erhoffte Geschenk ist, das ist gute Rhetorik. Jetzt steigert die Form der Kommunikation (Verpackung) den Wert des Geschenks noch einmal deutlich. Rhetorik handelt von der Form der Kommunikation und nicht vom Inhalt. Und jetzt stellen Sie sich vor, dass das raffiniert verpackte Paket leer ist, das ist schlechte Kommunikation, denn über die Form alleine freut sich niemand. Fachwissen ist die Pflicht und gute Rhetorik die Kür.

Ihre Polemik hinsichtlich des „guten Verkaufens“ ist völlig unangebracht. Gute Rhetorik heißt den Zuhörern das Verstehen leicht zu machen. Gute Rhetorik heißt von der Bühne zum Publikum ins Parkett hinabzusteigen und dann dem Publikum zu sich auf die Bühne hinaufzuhelfen. Auf der Bühne zu stehen und zu denken, warum ist das Publikum heute so dumm, warum kommt keiner auf die Bühne, ist akademische Arroganz. Haben Sie so Ihre Vorlesungen absolviert?

Wird das von Ihnen benutzte Wort „Bahnhofspädagogik“ auch von anderen „Wissenschaftlern“ benutzt oder handelt es sich um eine eigene Wortschöpfung. Sie benutzen es so herrlich als Schimpfwort, dass sich mir der Verdacht aufdrängt, dass Sie von Rhetorik überhaupt keine Ahnung haben.  

Auch sehr schön falsch ist dieser Satz von Ihnen: „Rhetorik ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne emanzipatorische Perspektive ist Scharlatanerie.“ Was soll die emanzipatorische Perspektive der Rhetorik sein? Dürfen demnächst etwa auch Frau reden? Wer sich wissenschaftlich mit der Rhetorik auseinandersetzen will, kann sich an der Eberhard Karls Universität in Tübingen einschreiben und mehrere Semester studieren. Der erste Lehrstuzhl für allgemeine Rhetorik, der nach dem zweiten Weltkrieg wieder in Deutschland eingerichtet wurde. Die erste Professur hatte der von mir sehr geschätzte Walter Jens inne, der leider in diesem Jahr verstorben ist. Da es dieses Angebot bereits gibt, brauche ich nichts Vergleichbares anzubieten. Zu mir kommen Menschen, die kurzfristig besser wirken wollen, die ein spezielles Fachthema sehr intensiv bearbeitet haben und die sich jetzt aus dieser Tiefe der Materie wieder befreien müssen, um ihr Wissen dem Publikum verständlich präsentieren zu können. Die nicht so negativ und beleidigend auf ihre Zuhörer wirken wollen, wie Sie es tun.

Und jetzt kommt die beste Stelle Ihrer Überheblichkeit:

Man nennt das Bahnhofspädagogik: Die Leute abholen… Die Politiker sagen gerne 'Die Menschen da draußen im Lande mitnehmen'… Da kriegt man als kritischer Leser den Schluckauf. Sehen Sie denn nicht, dass Sie mit solchem Geschwurbel die Intelligenz Ihrer Kunden beleidigen? 

Selbstbewusste und kritische Kunden bekommen Sie damit nicht in Ihre Seminare. Aber das wollen Sie wahrscheinlich auch nicht.  

Sollen die Politiker lieber sagen: „Das Volk da draußen interessiert mich nicht, Hauptsache ich habe einen lukrativen Platz zum Schlafen ergattert!“ Was Sie meinen, ist, dass Politiker so reden, aber den Worten keine Taten folgen lassen. In dieser Kritik stimme ich Ihnen ausnahmsweise zu, aber warum schreiben Sie nicht, was Sie meinen?

Nicht nur dass Sie mich beleidigen, jetzt beleidigen Sie auch noch meine Kunden. Es bleibt festzuhalten, dass Sie keinen meiner Kunden kennen und auch noch an keinem meiner Seminare teilgenommen haben und dass Sie schon gar nicht wissen, was ich will. Als Gedankenleser würden Sie jämmerlich verhungern. Was ist das für eine präzise Ferndiagnose? Zu mir kommen Vorstände und Geschäftsführer von großen Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen aber auch Personen die in der Öffentlichkeit stehen, wie Bundes- und Landespolitiker, Präsidenten von Handwerkskammern und Wirtschaftsverbänden, Schauspieler und Bundesligatrainer. In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob Ihre Zuhörer (Sie wissen schon, die tobende dreitausendköpfige Menschenmenge) ausschließlich Professoren sind? So wie Sie schreiben, machen Sie es doch unterhalb dieses Niveaus nicht, oder?

Auch sehr schön ist Ihre Empfehlung für mich:

Empfehlung: Versuchen Sie es mal in den USA als Erweckungsprediger oder Berater der tea-party. Dort müssen Sie noch nicht einmal den Anschein erwecken, was Sie sagen habe mit Ratio, Ökonomie und Psychologie zu tun. Sie können dort tief in den Eimer langen und verdienen viel mehr als mit Ihren 'Rhetorik'-Seminaren hier.

Einer der wichtigsten demokratischen Grundsätze ist die Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Ich finde auch, dass nicht nur in der Politik viel Unsinn geredet und geschrieben wird, aber ich werde immer dafür kämpfen, dass auch Sie Ihre falsche Meinung äußern dürfen, ohne Angst vor der Prügelstrafe haben zu müssen. Denkverbote hatten wir in Deutschland schon mehrfach. Zuletzt in der ehemaligen DDR. Sind Sie dort aufgewachsen? Oder wollen Sie die Monarchie wieder einführen? Vielleicht mit Ihnen als Kaiser? Als alleiniger Herrscher über die Deutungshoheit von Begriffen würden Sie sich selbst bestimmt toll finden.

Außerdem, wenn ich die tea-party beraten würde, dann würden deren Ideen viel positiver dargestellt werden, ich arbeite nämlich nicht, wie gewisse andere Herrschaften mit Diffamierungen und Beleidigungen. Was für eine Arroganz oder welcher Imperialismus steckt hinter Ihrer Meinung, dass die gesamte Welt die gleichen Ideale wie Europa (wie Sie) haben muss. Wollen Sie auch in den "heiligen Krieg" gegen Andersgläubige ziehen? Auge um Auge, Zahn um Zahn und die ganze Welt wird blind werden und muss sich von Haferschleim ernähren.

Kaiser Wilhelm war noch der Meinung: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ War das der Anstoß sich der „Graswurzelarbeit“ mit dem niederen Volk in Afrika zu widmen? Oder war es doch eher Ihre C4-Besoldung mit Auslandszuschlag, dass Sie Ihr „Leben riskiert“ haben, um die „Wilden“ zu alphabetisieren? Sie haben also die Arbeit eines Grundschullehrers geleistet, nur dass Sie dafür viermal so gut bezahlt wurden, sehr ehrenwert! Ich hoffe, dass Sie sich nicht überarbeitet haben. Kommt daher Ihr Rat mit dem Erweckungsprediger? Interessant! Ist Ihnen eigentlich klar, dass jeder Mensch jeden Tag in Lebensgefahr schwebt? Was für eine blöde Wichtigtuerei, als wenn Sie der einzige Europäer wären, der lebend aus Afrika zurückgekommen ist.


Wer nicht Lächeln kann, soll kein Geschäft eröffnen.
- aus China -

 

Ihr Elfenbeinturm besteht darin, dass Sie nie aus der Schule rausgekommen sind. Sie haben nur in hierarchischen Strukturen gelebt und durften Macht ausüben, Noten verteilen, Studenten abstrafen, Sie haben keine Ahnung von praktischer Rhetorik, von Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Demut vor der Hand, die Sie ernährt, nämlich die Hand Ihres Kunden. Sie leben offenbar nach dem Motto: "In der allergrö0ten Not, schmeckt die Wurst auch ohne Brot!"

Sie haben bestimmt auch schon einmal das Schlagwort von der „Servicewüste Deutschland“ gehört, Menschen wie Sie sind der Grund dafür, weshalb es uns niemals gelingen wird, diese Wüste zum Blühen zu bringen. Sie benutzen Sprache als Machtinstrument, zum Meckern und Rumkritisieren. Sie benutzen die Sprache zum Streiten und Krieg führen. Haben eigentlich nur die Studenten ein Freudenfest gefeiert als Sie emeritiert sind, oder der gesamte Fachbereich?

Und selbst Ihnen könnte ich in meinen Seminaren die Grundzüge einer positiven, freundlichen und verbindenden Rhetorik beibringen, allerdings nur, wenn Sie aufhören Ihren Altersstarrsinn als Weisheit wahrzunehmen und wenn Sie Ihre Arroganz ablegen, dass Sie der schlaueste Mensch auf Erden sind, der zu jedem Thema etwas beizutragen hat. Mangelnde Fachkenntnis erleichtert jede Diskussion. Wie soll die Welt nur weiter existieren, wenn Sie einmal nicht mehr da sind? Aber statt etwas Neues, etwas Gutes zu lernen, wollen Sie lieber die Welt missionieren, ganz im Geist der Missionare und Entdecker des Mittelalters: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!

Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit, so viel bleibt Ihnen ja nicht mehr zum Zanken mit den Nachbarn. Und wenn Sie schon polemisieren wollen, dann doch bitte im Geist eines Franz-Josef Strauß, also richtig.
 
Erklärung zur 2. Antwort

Argumentativ habe ich genügend Munition um Herrn Prof. Dr. X in der Sache zu vernichten und ich habe auch das "moralische Recht" dazu, denn er hat mich zweimal polemisch attackiert. Das heißt, er hat als erster die Sachebene verlassen und dann noch einmal ordentlich nachgelegt.

Wenn ich dieses "moralische Recht" jetzt dafür nutzen würde, um seinen Namen öffentlich zu machen, könnte Herr Prof. Dr. X. nicht mehr ohne Gesichtsverlust aus dem Disput aussteigen, was ein schwerer taktischer Fehler wäre. Damit wir mit dem Streit um Worte und Meinungen nicht vor Gericht landen, ist es deshalb wichtig den Streit an dieser Stelle zu begrenzen und Herrn Prof. Dr. X. die Möglichkeit zu eröffnen, seine rhetorischen und argumentativen Fehler einzusehen und doch noch Vernunft anzunehmen.

Damit Herr Prof. Dr. X. von seinen falschen Argumenten ablässt, muss er mich und mein Fachwissen über die Rhetorik respektieren, deshalb muss ich in der Sache so hart wie möglich zuschlagen. Ich muss beweisen, dass ich mit Worten besser umgehen kann als er und ich muss jede seiner Behauptungen zerstören. Ein leiser Auftritt, Erklärungen und Rechtfertigungen würden mir als Schwäche ausgelegt werden. Für Schwäche und Altruismus erhalten Sie leider keinen Respekt, vielleicht Mitleid aber keinen Respekt und schon gar keinen Anerkennung.

Zuschauer, die gelernt haben, dass die Harmonie innerhalb einer Gesellschaft oberste Bürgerpflicht ist und deshalb diesem Glaubenssatz nacheifern, können mit einer polemischen Auseinandersetzung nichts anfangen und finden die härtere Argumentation als unfair. Ich habe drei E-Mails bekommen, die Herrn Prof. Dr. X. Recht geben und mich ebenfalls polemisch angreifen. Alle drei kamen aus Österreich!

In einem Land, in dem ein Magister mehr Respekt erhält, als ein Prof. Dr. in Deutschland, ist es anscheinend auch fast 100 Jahre nach der KuK-Zeit unvorstellbar, dass ein Prof. Dr. Unrecht haben könnte. Man greift die Majestät nicht an. Mit einer solchen Untertanen-Haltung in der Bevölkerung können die Mächtigen machen was sie wollen, schade, aber ich habe Hoffnung für Österreich. Die Jugend lässt sich nicht mehr so leicht einschüchtern und manipulieren.
---------------- 3.E-Mail von Prof. Dr. X -------------
nachdem die Seite bis hierher online war.

Sehr geehrte Herr Seipp,

lassen Sie uns innehalten! Ich wollte Sie doch um Himmels willen nicht in eine solche Arbeit stürzen!
 
Allerdings hilft mir Ihre letze E-Mail zu verstehen, was ich bis dahin einfach nicht wahrhaben wollte: bei gleicher Muttersprache (und gleichem Fachgebiet…) liegen wir so weit auseinander, dass wir uns gar nicht verständigen können. Es gibt kein Wort in unserem Disput, das Sie und ich auch nur ähnlich verstehen würden.

Natürlich könnte ich meinerseits eine Seite einrichten und in die Netzwerke stellen. Eine Abreibung durch meine Freunde wäre mir sicher. Sie würden zu mir sagen: "Bist Du noch bei Trost, dich auf so etwas einzulassen!"

Unter öffentlichem Disput hatte ich mir übrigens wirklich eine öffentliche Diskussion vorgestellt, wie es einst an Hochschulen üblich war… Wie naiv!

Also lassen wir's. Wenn ich Sie gekränkt habe, bitte ich um Entschuldigung. Auch Sie haben mich geärgert. Dafür müssen Sie sich nicht entschuldigen. Es reicht mir völlig, wenn Sie mir vom Rechner bleiben, worum ich Sie schon vor Jahren nachdrücklich gebeten hatte.

Freundliche Grüße,
X
Kommentar zur 3. E-Mail

Und siehe da, mit einem Rückzugsgefecht entschuldigt sich Herr Prof. Dr. X.bei mir und wir finden doch noch zueinander. Vergleichen Sie einmal die Unterschriften in den vier E-Mails von Herrn Prof. Dr. X. In den beiden Ersten auf die Titel pochend, in der dritten distanziert nur mit Nachnamen und nachdem ich mich ebenfalls entschuldigt habe, freundschaftlich  mit Vor- und Zunamen. Offenbar haben meine Argumente doch noch überzeugt.

Natürlich weiß ich selbst, dass die Rhetorik missbraucht wird, dass wir mit Worten manipuliert werden, und genau deshalb ist es wichtig, sich mit diesen fiesen Techniken auseinanderzusetzen, damit Sie sich wehren können. In der Rhetorik wird immer weiter aufgerüstet, wenn eine Technik oder Taktik nicht mehr funktioniert, weil die Angegriffenen witrksame Gegfenstrategien entwickelt haben, so wird die Verteidigung erneut angegriffen oder etwas vollkommen Neues ausprobiert.

Zu hoffen, dass sich alle Menschen an Moral und Ethik halten, die den Grundzügen der Bergpredigt orientieren, ist genau so naiv wie den Siegeszug des Kommunismus vorherzusagen, weil alle Menschen ihren Egoismus überwinden.

 
------------------ 3. Antwort von Günter Seipp ------------------

Sehr geehrter Herr Professor X,

einverstanden! Ich akzeptiere Ihre Entschuldigung und danke Ihnen für die Möglichkeit einmal so richtig polemisch sein zu dürfen. Mit ein wenig Abstand zu unserem Disput entschuldige ich mich ebenfalls. Ich bedaure wenn ich Sie geärgert habe. Ich habe jetzt alle Wortkombinationen die Ihren Vor- oder Nachnamen beinhalten in der Datenbank überprüft und gelöscht, sollten Sie eine weitere E-Mail von mir erhalten, so ist es ein Versehen. Teilen Sie mir die Empfängeradresse mit und ich werde auch diese sofort löschen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren nächsten Auftritten, denn ich weiß, dass Sie meine Anregungen für das adressatenorientierte Sprechen, selbstverständlich selbst anwenden, denn sonst hätten Sie keinen Erfolg.

Mit herzlichem Gruß
Günter Seipp

 

Erklärung zur 3. Antwort

Versöhnung ist Versöhnung, jetzt wird nicht mehr argumentiert. Ich hätte noch schreiben können, dass ich von ihm oder seiner Frau keine Abmeldung vom Newsletter erhalten habe, aber wozu?

In den vergangenen 20 Jahren haben sich über 20.000 E-Mail-Adressen angesammelt. Der größere Teil auf dem Zitate-Portal - unserem Service für Seminarteilnehmer. Zu einem nicht unwesentlichem Teil haben sich Mitarbeiter zum Bezug des "Zitat des Tages" mit allgemeinen Adressen, wie info@ angemeldet, damit auch andere Mitarbeiter von den Zitaten profitieren. Wenn Sie eine E-Mail von mir bekommen, die Sie nicht lesen möchten, so hanelt es sich nicht um böse Absicht und Sie dürfen meine Tipps auch gerne lesen und ausprobieren, ohne dass Sie sich zu einem Seminar anmelden müssen. Ich gebe mein Wissen gerne weiter und freue mich über jeden Fortschritt innerhalb unserer Gesellschaft.

Teilnehmer an meinen Seminaren bemerken allerdings immer wieder, dass ich "live" noch viel besser als in der Schriftsprache bin. Unter Teilnehmerstimmen finden Sie ein paar Aussagen.

Wenn Sie einmal kurzfristig professionelle Unterstützung gebrauchen können, werde ich Ihre Kontaktaufnahme als besonderes Lob verstehen. Die besten Geschäfte machen Sie übrigens mit einer sehr guten Reklamationsbearbeitung. Wie Sie elegant und verkaufsfördernd mit reklamierenden Kunden umgehen, erleben Sie im Seminar "Verkaufs-Rhetorik".
------------ 4.E-Mail von Prof. Dr. X -------------------

Sehr geehrter Herr Seipp,

vielen Dank! Auch ich bin einverstanden. Polemik ist so eine schöne Übung – man kommt nur so selten dazu… ;-)

Herzliche Grüße,
J.-P. X
Wer hätte das gedacht? Vielleicht werden wir doch noch Freunde!
Sie haben noch nicht genug, hier gibt es noch ein Beispiel aus der Politik. Unsere damalige Gesundheitsministerien Ulla Schmidt (SPD) hatte Ihren Dienstwagen mit in den Spanien-Urlaub genommen.