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Die gute Gesprächseröffnung macht vieles möglich,

die Schlechte macht alles kaputt!

[von Günter Seipp] Bevor Sie ein wichtiges Gespräch beginnen, sollten Sie genau überlegen, wie Ihr Gesprächspartner die Beziehungs- und Sachebene zwischen Ihnen beurteilt. Wenn Ihre Ansicht von der Ansicht Ihres Gesprächspartners abweicht, kann es passieren, dass Sie bereits mit dem ersten Satz vereiteln, dass das Gespräch erfolgreich verläuft.

Jeder von uns hat eine bestimmte Art kultiviert ein Gespräch zu beginnen. Ein Arzt geht einfühlsam und fragend auf Gesprächspartner zu. Ein Polizist wird dagegen eher fordernd und bestimmend mit Gesprächspartnern umgehen, während ein Lehrer leider sehr häufig belehrend und mit erhobenem Zeigefinger spricht. Nachfolgend einige Anregungen wie Sie Gespräche auf gefährlichen Terrain besser eröffnen können.

Sachebene (Fachkompetenz):

Wer verfügt über das größere Wissen, die besseren technischen Fertigkeiten oder die größere Erfahrung (zeitlich oder inhaltlich) im Thema? Und bei diesen Bewertungengeht es nicht um objektive Betrachtungen sondern ausschließlich um die jeweilige subjektive Sichtweise.

Als wirklicher Fachmann wird von Kollegen nur ernst genommen, wer sonst nichts kann.
Wenn Sie um Rat gefragt werden, dann können Sie davon ausgehen, dass Ihnen die größere Sachkompetenz zugesprochen wird, ebenso wie Sie sich Rat bei kompetenten Gesprächspartnern holen. Wenn Ihre Waschmaschine defekt ist, werden Sie keinen Mediziner oder Rechtsanwalt um Hilfe bitten. Aber so eindeutig sind die Situationen, in die wir mit anderen Menschen geraten nicht immer.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Gesprächspartner die Sachebene ebenso beurteilt wie Sie, sollten Sie nicht mit Argumenten sondern mit Fragen beginnen. Argumente werden häufig als Behauptungen abqualifiziert, wenn Ihre höhere Fachkompetenz vom Gesprächspartner nicht anerkannt wird.

In politischen Diskussionen, in denen Ideologien aufeinanderprallen und es kein eindeutig richtig oder falsch gibt, werden Sie erleben, dass der eine Gesprächspartner alleine schon deshalb eine Meinung ablehnt, weil sie aus dem „gegnerischen Lager“ stammt. Als in den 1990er Jahren die DKP mit dem Slogan „Arbeit für Alle“ um Zustimmung warb, traute sich keine andere Partei ähnliche Aussagen zu treffen, obwohl jeder Politiker selbstverständlich dafür war, dass jeder Mensch Arbeit haben sollte. Die Angst, als verkappter Kommunist zu gelten, war zu groß. Wenn es schon bei eindeutig richtigen Zielen keine Einigung gibt, wie sieht es dann erst bei weniger eindeutigen Zielen aus?

Beziehungsebene:

Auf der Beziehungsebene sind die Komplikationen noch größer, da es sehr viele Dimensionen gibt, unter denen die Beziehung zwischen zwei Menschen beurteilt werden kann. In einer Liebesbeziehung gehen Außenstehende meistens davon aus, dass die Beziehung sehr eng ist. Bei Beginn einer Liebschaft stimmt es, aber wie sieht es nach 20 Jahren aus oder wenn einer der Partner mit der Beziehung nicht mehr zufrieden ist?

An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.
Auf der Beziehungsebene werden die unterschiedlichsten Faktoren betrachtet, die Schulbildung, die Ausbildung,Titel und Ehrungen, moralisch-ethische Ideale, Einkommen, Position, Vermögen, Bekanntheit und Belientheit gehören dazu. Wer dem anderen auf der einen Skala unterlegen ist, wendet sich einer anderen Skala zu, um einen Ausgleich zu schaffen.

Nähe und Distanz:

Neben der möglicherweise unterschiedlichen Bewertung der Nähe zwischen den Gesprächspartnern gibt es allerdings gerade in Konflikten eine böse Falle, die der Beziehung den Todesstoß versetzen kann. Wenn wir uns aufraffen und fremde Menschen kritisieren, formulieren wir sehr vorsichtig, weil wir die Reaktion des Gegenübers nicht einschätzen können. Wir halten uns Rückzugsmöglichkeiten offen und sind bereit unsere Kritik abzuschwächen, wenn wir auf Widerstand treffen.

Die Nächstenliebe wäre leichter, wenn der Nächste nicht so nahe wäre.

Wenn wir den geliebten Partner kritisieren, machen es sich viele Menschen viel einfacher. Sie glauben, dass der Partner doch verstehen muss, dass wir nur sein Bestes wollen und er deshalb für die Kritik, die ihm schließlich helfen soll besser zu werden, dankbar sein muss. Aber wie kommt eine schlecht vorbereitete und schlecht anmoderierte Kritik beim Partner an? In aller Regel möchten wir von unserem Partner nicht kritisiert werden, denn wir wollen für unseren Partner attraktiv und begehrenswert bleiben, weshalb viele Menschen Kritik als persönliche Kränkung und Ablehnung verstehen. Jeder Mensch, der das Gefühl entwickelt, dass eine Kritik als persönliche Ablehnung gemeint ist, wird sich auf das Schärfste verteidigen und vielleicht den Gesprächspartner sogar persönlich angreifen um sein beschädigtes Selbstwertgefühl zu reparieren. In diesen Situationen besteht für die Beziehung große Gefahr.

Wenn Sie glauben, dass Sie das Recht haben jemanden zu kritisieren, weil eine so große Nähe besteht, halten Sie kurz inne und überlegen Sie, wie Sie selbst auf eine harte Kritik dieser Person reagieren würden und jetzt formulieren Sie einen butterweichen Einstieg bevor Sie sich unüberlegt in dieses Gespräch stürzen.

Hierarchie:

Niemand würde auf die Idee kommen, in das Büro seines Chefs zu stürzen und zu sagen: „Was haben Sie denn da wieder für einen Blödsinn verzapft!“ Leider gibt es eine Reihe von schlechten Chefs, die glauben genauso Kritik gegenüber Mitarbeitern anmoderieren zu dürfen. Da Mitarbeiter sich nicht ohne weiteres vom Arbeitgeber trennen können, wehren sich viele Beschäftigte weder gegen diese Form der Kritik noch gegen eine inhaltlich falsche Kritik. Aber die meisten Mitarbeiter betrachten den Chef durch eine andere Brille, beispielsweise indem sie Verfehlungen des Chefs zum Vergleich heranziehen. Es wird dann vielleicht gedacht: „Ich bin von meinem Chef abhängig, aber er ist ein moralisches Schw… weil er seine Frau betrügt.“ Oder: „Na gut, fachlich hat er mehr Ahnung als ich, aber Menschenführung stand nicht auf seinem Ausbildungsplan.“

Autorität ist das Vermögen, die Zustimmung anderer zu gewinnen.

Ein schwacher Chef, der sich um die Gesprächshygiene nicht kümmert, hält zwischenmenschliche Sympathie für entbehrlich, solange die Ergebnisse stimmen. Die Ergebnisse könnten allerdings viel besser sein, wenn die Mitarbeiter sich respektiert und gerecht beurteilt fühlen. Daneben gibt es für diesen Chef eine weitere große Gefahr, denn wenn die Mitarbeiter anfangen ihrem Ärger Luft zu machen und sich über unangemessene und unberechtigte Kritik zu unterhalten, kommen die persönlichen Bewertungen über den Chef zur Sprache. Egal ob diese Bewertungen zutreffen, sie entwickeln eine Eigendynamik, die zu Vorurteilen und Gerüchten führen, die einen kommunikativ schwachen Chef schnell ohne Mitarbeiter oder Arbeitsplatz dastehen lassen. Dieser Zusammenhang ist wahrscheinlich auch der Grund weshalb in vielen inhabergeführten Firmen ein ausgesprochen raues Klima herrscht.

Gesprächsgrundlagen:

Jeder argumentiert aufbauend auf seinen moralisch-ethischen Grundsätzen. Wenn Sie andere Grundsätze haben als Ihr Gesprächspartner, was schnell passieren kann, wenn Sie als Erwachsener mit einem pubertierenden Jugendlichen diskutieren, werden Sie diese Grenze schnell schmerzhaft erleben. Mit den christlichen Grundsätzen von Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit versuchen Sie eine rationale Diskussion zu führen, der Jugendliche merkt natürlich sofort, dass er diese Diskussion nicht gewinnen kann, weshalb er eristische Techniken anwendet, die Sie in große Schwierigkeiten bringen. Ein sehr schönes Beispiel für eine derart verlorene Diskussion können Sie sich hier ansehen. Anja Reschke, eine erfahrene und weitgereiste Journalistin versucht eine Schülerin davon abzuhalten eine andere Schülerin zu treten. Sehr sehenswert.

Hier geht es zur Sendung in der ARD-Mediathek: http://www.ardmediathek.de/das-erste/beckmann/lehrer-am-limit-ueberforderte-paedagogen-und-verlorene?documentId=16811132
 

Gegen den, der bei einer Auseinandersetzung den kühlsten Kopf behält, kommt so leicht keiner an.

Bewertung:

Neben diesen offensichtlichen Störungen einer zufriedenstellenden Kommunikation gibt es zahlreiche weitere Quellen für Dissonanzen, deshalb seien Sie mit Ihren Formulierungen vorsichtig. Eine Diskussion nicht zu gewinnen, ist besser, als einen Streit zu verlieren.

Wir üben in allen Seminaren intensiv mit Ihnen, damit Sie mögliche Fehlerquellen rechtzeitig erkennen und Sie die jeweilige Klippe umschiffen können. Und für den Fall, dass Sie doch einmal Gefahr laufen an einer Untiefe Schiffbruch zu erleiden, wie Sie sich elegant retten können. Es ist gut, wenn Sie die theoretischen Grundlagen kennen, aber erst wenn Sie praktisch geübt haben, Ruhe zu bewahren, obwohl Sie emotional gestresst sind, werden Sie auch schwierige Gesprächspartner von Ihren Vorstellungen überzeugen.

Diese Seminare werden Ihnen helfen, in jeder Situation Sicherheit auszustrahlen!
 
 
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