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Lexikon

Extrinsische Motivation

[von Günter Seipp] Tätigkeiten, die lediglich wegen der aufgezeigten Konsequenzen und nicht um ihrer selbst willen verfolgt werden, sind extrinsisch motiviert. Obwohl immer wieder versucht wird, Menschen durch Belohnungen zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren oder durch die Androhung von Strafen ein Verhalten unterbunden werden soll, vermuten viele Menschen instinktiv richtig, dass die extrinsische Motivation nicht den gewünschten Erfolg bringt. Untersuchungen haben gezeigt, dass Belohnungen für erwünschtes Verhalten sogar kontraproduktiv sein können.

Eine Untersuchung an Vorschulkindern lieferte eindeutige Ergebnisse:

Vorschulkinder wurden zuerst während Phasen freien Spiels in ihren Klassenzimmern beobachtet, wo sie ohne irgendwelche Einschränkungen unter vielen verfügbaren Aktivitäten wählen konnten. Die Menge der Zeit, die sie mit Zeichnen und Malen verbrachten, wurde festgehalten. Als nächstes wurden die Kinder in einem anderen Setting innerhalb der Schule gebeten zu zeichnen oder zu malen. Jedes Kind wurde nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeordnet.

  • Erwartete Belohnung - die Kinder bekamen Belohnungen zum Anfassen gezeigt, die sie dafür erhalten würden, dass sie zeichneten oder malten.
  • Unerwartete Belohnung - Kontrollgruppe - die Kinder wurden gebeten zu zeichnen, ohne daß irgendeine Belohnung erwähnt wurde. Nachdem sie jedoch ihre Bilder gemalt hatten, erhielten sie die gleiche Belohnung wie die Kinder der ersten Gruppe. Diese Kontrollgruppe sollte belegen, daß es nicht einfach um das Erhalten einer Belohnung geht, sondern daß die wahrgenommene Kontingenz zwischen der Aktivität und der Belohnung das Entscheidende ist.
  • Keine Belohnung - Kontrollgruppe - die Kinder dieser Gruppe erwarteten weder eine Belohnung, noch erhielten sie eine für ihre Aktivitäten.

Zwei Wochen darauf wurde im Klassenzimmer unauffällig beobachtet, wieviel Zeit mit Zeichnen und Malen verbracht wurde, wenn die Kinder sich selbst überlassen waren. Die Egebnisse waren eindeutig. Die Versuchspersonen der Bedingung "Erwartete Belohnung" verbrachten weniger Zeit mit Zeichnen und malen als die Kinder aus den beiden anderen Gruppen. Sie interessierten sich nun sogar weniger für die Aufgabe als während der anfänglichen Beobachtungsphase. Die Kinder aus den beiden anderen Gruppen jedoch zeigten weiterhin ein großes Interesse am Malen (Lepper, Greene & Nisbitt 1973).

Eine Aufgabe, die nur wegen einer Belohnung erledigt wird, wird in ihrem Wert, wird in ihrem Spaßfaktor beschädigt. Um die Aufgabe auch zukünftig zu erledigen, müssen die Belohnungen immer größer werden, da im Wertesystem der Menschen, eine "Arbeit" für die man extra bezahlt wird, nicht so wertvoll sein kann, wie eine Tätigkeit, die freiwillig ausgeführt wird (Vergleiche intrinsische Motivation). Je häufiger eine Tätigkeit wegen einer Belohnung ausgeführt wird, desto seltener wird sie freiwillig ohne externen Anreiz ausgeführt, bis sie eines Tages trotz Belohnung nicht mehr ausgeführt wird, da sie als zu niedrig und langweilig angesehen wird.

Andererseits können Belohnungen die Leistungen verbessern, wenn sie als Information für die eigene Leistung und die Verbesserung dieser Leistung wahrgenommen wird. In der Regel gelingt dies aber nur, wenn die Belohnung nicht für eine Aktivität erwartet wird, sondern im nachherein als Anerkennung für die Qualität der Erledigung gegeben wird.