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Lexikon

Ambiguität

[von Günter Seipp] Unter Rollenambiguität wird in der Psychologie eine Mehrdeutigkeit im Rollenverhalten verstanden. So besitzt jeder Mensch in fast allen Lebenssituationen mehrere sich zum Teil widersprechende Rollen, was das eigene angemessene Verhalten gerade in schwierigen Lebenslagen nicht leichter macht. So ist man beispielsweise gleichzeitig Ehemann, Vater, Autofahrer und Mitarbeiter und es hängt davon ob, mit welchen Bezugspersonen und Erwartungen eine Situation verknüpft ist. Wird das eigene Verhalten stärker an der Vaterrolle ausgerichtet, so verhält man sich völlig anders, als wenn man sich in derselben Situation an der korrekten Verhaltensweise eines verantwortungsvollen Autofahrers orientiert. Ob eine Situation leicht oder schwer zu bewältigen ist, hängt deshalb wesentlich von der persönlichen Bewertung der Rahmenbedingungen und nicht von einer vermeintlich objektiven Situation ab. Absurde Situationen entstehen immer dann, wenn die „Normalität“ einer einzigen Rolle verlassen wird.

In der Rhetorik beschreibt Ambiguität die Mehrdeutigkeit eines Ausdrucks - wie zum Beispiel beim Teekesselchenspiel - oder eines Zusammenhangs. Es kann sich um eine lexikalische  Zweideutigkeit  oder einen syntaktisch, strukturellen Doppelsinn handeln. Der Empfänger der Botschaft muss den korrekten Begriff oder Zusammenhang selbst entschlüsseln, was von guten Rhetorikern genutzt wird, um dem Adressaten entsprechende Denkanreize zu geben. Wer seine Zuhörer aktiviert und zum eigenen Denken anregt, wird besser verstanden und wirkt überzeugender, als wenn wenn versucht wird, denn gleichen Sinn in das Gehirn der Zuhörer durch wiederholte Behauptungen hinein zu quetschen. Behauptungen beweisen nichts, Behauptungen machen nur skeptisch. Selbst denken überzeugt.


Lexikalisch: Schloss = Gebäude oder Verschluss;
Syntaktisch: Im Bus sitzen junge Frauen und Männer!
A: junge Frauen und junge Männer, oder
B: junge Frauen und unterschiedlich alte Männer